Vorstellung des Stichblattverlages | BloXmas #14

Hallo und herzlich willkommen zu diesem Türchen meines Adventskalenders. Ich freue ich sehr, dass ihr auch heute wieder dabei seid. Gestern ging es ja bereits um die liebe Platti als Autorin und heute soll es um ihren Verlag, Stichblatt, gehen. Wie es dazu kam, welche Storys sie so zu erzählen hat und warum der Verlag so heißt, wie er heißt – das alles und vieles mehr dürft ihr nun nachlesen 😊

Wie kam es zur Gründung des Stichblatt Verlages?

Der Verlag entstand mehr oder weniger aus pragmatischen Gründen. Denn etwa ein halbes Jahr vor der Gründung, am 1. Januar 2017, hatte ich das noch kategorisch abgelehnt, weil es dafür an sich keinen Grund gab. Bis dahin hatte ich meine beiden Bücher „von Bitterweg. Das DuneburgDebakel“ und „Dieses Hutmenschenkomplott“ bereits als Selfpublisherin über Neobooks als eBook veröffentlicht und war damit soweit auch recht zufrieden. Dann trat jedoch das Problem auf, dass ich zum Greifbarmachen der eBooks etwas handfesteres als Flyer und Poster brauchte. Deshalb habe ich mich über die Herstellung von Fan-Artikeln schlau gemacht und da trat dann zum ersten Mal wirklich die Notwendigkeit auf, ein richtiges Gewerbe anzumelden. Dieses Gewerbe habe ich dann aus naheliegenden Gründen als Verlag betitelt, dabei hatte ich anfangs nicht einmal wirklich vor gehabt in diesem Verlag auch Bücher drucken zu lassen. Das – zusammen mit der konkreten Ausrichtung des Stichblatt Verlages – entwickelte sich tatsächlich recht spät in der Vorgründungsphase und zum Teil erst wenige Wochen vor der Gewerbeanmeldung.

Was ist das Besondere am Stichblatt Verlag?

Zum einen ist es die sehr spezielle Nische und zum anderen die teilweise experimentelle und etwas untypische Herangehensweise an das Verlagswesen. Diese resultiert allerdings auch zu einem Großteil aus dieser Nische. Der Stichblatt Verlag hat sich nämlich auf die Schwerpunkte Fantasy, Science-Fiction, Graphic Novel und Manga (bzw. – wie man in Deutschland ja eigentlich sagen muss – Comics im japanischen Stil ^^) spezialisiert. Das sind alles Themenbereiche, die ich selbst als Verlagsgründerin schon mal aus Eigeninteresse ganz gut abdecken kann und die mir Spaß machen. ^^ Außerdem ist es mir wichtig, dass die Geschichten etwas Experimentelles oder Provozierendes an sich haben und in den Lesenden schon etwas bewirken wollen.

Genau hier setzt auch das Experimentelle an der verlegerischen Tätigkeit an. Der Stichblatt Verlag arbeitet mit sehr kleinen Auflagen und auch so etwas wie Beta-Testphasen sind geplant. Außerdem ist es mir wichtig, dass der Verlag, Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren sowie Lektorinnen und Lektoren auf Augenhöhe mit einander Arbeiten und gemeinsam an einem Strang ziehen. Gegenseitiger Respekt und ein Mindestmaß an Initiative sind mir da sehr wichtig. Außerdem möchte gerne auch die Arbeit derjenigen, die meist nicht auf dem Buchcover stehen mehr in den Vordergrund rücken, damit auch die Lesenden einen Einblick von diesem Aufwand bekommen und Bücher vielleicht nicht nur als reine Konsumware, sondern wieder mehr als etwas mit Bedeutung wahrgenommen werden.

Im Stichblatt Verlag möchte ich darüber hinaus auch Entwicklungsmöglichkeiten und eine Hilfestellung für angehende Autorinnen und Autoren, aber im Speziellen auch nochmal für angehende Comic-Zeichnerinnen und -Zeichner aus der Manga-Szene anbieten. Für letztere biete ich zum Beispiel ein redaktionell begleitetes Anthologie-Projekt für Erstveröffentlichungen an. Hierin können sich die Zeichnerinnen und Zeichner an einem eigenen Comic-Projekt ausprobieren, wobei sie schon während der Konzeptionsphase eng mit dem Verlag (also mir ^^) zusammen- arbeiten. Das soll gerade Einsteigerinnen und Einsteigern dabei helfen ein Gefühl für die Tätigkeit bzw. den Beruf des „Mangaka“ zu entwickeln. Eine derartige Herangehensweise gibt es so in Deutschland bei Verlagen bisher – soweit ich weiß – nicht, da Manga-Anthologien auf dem Markt eher als schwierig gelten. Und so komme nun einfach mal ich daher, mit meinen unbekümmerten Verlagsexperimenten und Kleinstauflagen. ^.~

 

 

Kannst du uns einen kleinen Einblick in die Veröffentlichungen 2019 geben?

Gerne. ^^ Wenn alles gut geht, haben wir am Ende des Jahres 2019 drei neue Bücher auf dem Markt. Zur Leipziger Buchmesse erscheinen zum einen die Fortsetzung meiner eigenen illustrierten „Tyrrin Hexenkater“-Buchreihe mit dem Titel „Die Spaltlichtpost“ und zum anderen der erste Band der Vampir-Roman-Trilogie von Hella Menschen unter dem Titel „Nachtriss. Jagdfieber“. Es handelt sich dabei um eine erweiterte Neuveröffentlichung, da der Verlag, der die Geschichte bis vor Kurzem im Programm hatte, leider schließen musste. Für den Herbst habe ich dann noch ein Jugendbuch von einem Rostocker Autoren in Vorbereitung. Aber da ist noch einiges an Vorbereitung nötig. Eventuell kommt spontan noch das eine oder andere Buch ins Programm, z.B. fehlen noch die vorhin erwähnten Comics auf dem Plan, es wird sich im Laufe des Jahres ergeben, ob die geplante Kurz-Manga-Anthologie 2019 erscheint oder ggf. noch etwas Zeit braucht. So ist das eben mit den Experimenten. Manches lässt sich da nur schwer vorhersehen. ^^

 

Wo siehst du den Verlag in fünf Jahren?

Gute Frage. Und bei der Zeitspanne ist das echt ein gewagter Blick in die Glaskugel, da ich schon jetzt immer Mal wieder Kurskorrekturen vornehme, mit denen ich langfristig nicht gerechnet hätte. ^^‘ Ich denke jedoch, dass der Verlag in fünf Jahren seine eigenen Kosten trägt und besser noch mehr abwirft, um auch etwas zu meinen Lebenshaltungskosten beizutragen, schließlich ist das langfristig der Sinn eines Unternehmens. ^.~ Ich kann mir gut vorstellen, dass der Verlag bis dahin 15 – 20 oder vielleicht auch mehr Bücher im Programm hat und viele weitere spannende Buchprojekte in Vorbereitung sind. Doch so oder so, ich denke mal die Reise bis dahin wird auf jeden Fall noch so ein Abenteuer für sich und lustig. ^^

 

 

Warum „Stichblatt Verlag“?

Die Anime- und Manga-Szene hat mich in meiner Jugend sehr geprägt und damit auch ein Stück weit die japanische Kultur. Besonders die japanische Schwertkampfkunst, die Samurai und das klassische Samuraischwert, das Katana, haben mich immer sehr fasziniert. Einem Bestandteil des Letzteren ist auch der Name des Verlages entlehnt. Das Tuba – zu Deutsch „Stichblatt“ – zwischen Schwertklinge und Griff hat sowohl etwas Wehrhaftes als auch etwas Repräsentatives und Schönes an sich. Ich finde, das an sich ist eine sehr spannende Kombination.

Den Begriff als Verlagsnahmen zu verwenden kam mir ehrlich gesagt durch Zufall, da ich unbedingt einen deutsch klingenden Namen haben wollte. Da Deutsch meine Muttersprache ist, steckt darin für mich die meiste Aussagekraft. Ich denke, für den Namen meines Verlages trifft dies zu und er entspricht auch dem Charakter und der Idee des Verlages. Tatsächlich stand der Name „Stichblatt“ schon lange vor der genauen Ausrichtung des Verlages fest und hat daher wohl auch einen gewissen Einfluss auf diese ausgeübt. ^^‘ Darüber hinaus finde ich, dass der Name sich auch in der englischen Aussprache ganz gut macht, und wenn‘s doch mal mit den Büchern unter diesem Label ins Ausland geht, kann man gleich sehen woher es kommt. ^.~

 

Wie würdest du den aktuellen Wandel in der Verlagsbranche bewerten?

Das ist auch so ein spannendes Kapitel. Ich habe ja Kommunikationswissenschaft und Kunstgeschichte studiert und bin daher für solche Fragen etwas übersensibilisiert. Genauso wie sich die Medien wandeln, wandelt sich auch die Art wir sich von den Lesenden bzw. Nutzenden aufgenommen und verarbeitet werden. Gerade letzteres wird vielen Verlagen und Medienmachern gerade erst bewusst. Die Leserschaft bekommt dank der einfacheren Wege in den Buchmarkt mehr Auswahl denn je und damit auch mehr Mitsprache. Was vorher von den führenden Verlagen vorgegeben wurde, wird heute hinterfragt indem viele Leserinnen und Leser auch mal einen Blick in die Indie-Buch-Szene werfen. Natürlich gibt‘s auch hier gelungene und weniger gelungene Bücher, außerdem lässt sich über Geschmack ohnehin nicht streiten. Aber es ist unglaublich spannend, was die an sich eher gediegene Buchbranche da gerade von verschiedenen Seiten unterwandert und diese dazu zwingt, sich mit neuen Herausforderungen auseinander zusetzen. Die Tatsache, das jeder und jede quasi alles veröffentlichen und auf den Markt bringen kann, bietet gleichermaßen Chancen wie auch Risiken. Das bedeutet auch für die Lesenden noch einmal ganz neue Herausforderungen, speziell wenn es um ideologisch geprägte Literatur jedweder Ansicht geht. Für alle Beteiligten stellt sich die Frage, wie man mit dieser neuen Mündigkeit – die ja nicht nur auf die Buchbranche reduziert ist – umgeht. Wie gesagt, ich finde das spannend. ^_^

 

 

Was ist deine persönliche Lieblingsarbeit als Verlegerin?

Ich liebe es, kreative Menschen (besonders die, die sich sonst nicht trauen) aus der Reserve zu locken. ^^

 

 

Was war dein lustigstes Erlebnis mit dem Verlag?

Je nach Humor, ist die ganze Verlagsgründung an sich schon ein lustiges Unterfangen. XD Aber um konkret zu werden …

Grundsätzlich geben Conventions und Messen immer viele lustige Erlebnisse her, das reicht dann von „Huch, wir haben euch vergessen“, über einen zumeist chaotischen Standaufbau bis hin zu diversen Begegnungen am Stand (einschließlich „Mama-Suchaktion“). Ich sehe grundsätzlich sehr viel gelassen und nehme noch mehr mit Humor, da gibt‘s eigentlich immer irgendwo eine gewisse Situationskomik, die sich notgedrungen nicht vermeiden lässt. ^^‘

 

 

Wie viele Anfragen bekommt der Verlag und wie wählst du die Manuskripte aus?

So viele Anfragen sind es derzeit noch nicht, vielleicht ein oder zwei im halben Jahr. Doch das ist halb so wild. Ich habe den Verlag erst dieses Jahr offiziell für die Einsendung von Manuskripten geöffnet und bin ganz froh, dass ich mich langsam an diese Aufgabe herantasten kann. (Letztes Jahr um diese Zeit bin ich bei solchen Anfragen noch kopflos im Kreis gelaufen, inzwischen habe ich sowas wie eine Art Grundroutine. ^^‘) Ich bin ganz gut ausgelastet und nutze das bisschen Zeit, das übrig bleibt, um mich in anderen Bereichen auszuprobieren, aktuell die Produktion von Hörbüchern zum Beispiel. ^.~ Trotzdem passten die bisherigen Anfragen meist ganz gut ins Verlagskonzept, das kann aber auch daran liegen, dass diese über ein Gespräch beim Stammtisch oder auf der Convention zustande gekommen sind. Da werde ich dann meistens hellhörig, wenn von „skurrilen“ Sachen die Rede ist oder eine spezielle Idee oder ein Gedankenansatz, der innerhalb der Geschichte vermittelt werden soll, zur Sprache kommt. Spätestens da fange ich dann mal an, von mir aus nachzubohren. ^^ Wichtig ist natürlich, dass das Manuskript im weitesten Sinne in meine Verlagsnische passt. So wäre ich für historische Romane, blutige Psychothriller, Memoiren, Wissenschaftliches oder alles, was mit Romantik zu tun hat, nicht wirklich die richtige Partnerin. Da gibt es Verlage, die das viel besser abdecken können, weil sie wirklich in dem jeweiligen Genre aktiv sind. Und so ehrlich bin ich dann in den jeweiligen Gesprächen oder bei der Korrespondenz auch.

Ansonsten bin ich für alles, was in meine Verlagssparte passt, erst einmal offen, werfe gerne einen Blick auf eine Leseprobe und / oder Exposé (was bei mir zumeist etwas dauern kann, weil ich mir für so etwas gerne die Zeit nehme, die ich dafür brauche) und mache mir ein Bild von dem Erzählstil und dem Gesamtkonzept. Wenn mich das anspricht (keine Bange, es muss bis dahin noch lange nicht perfekt sein ^.~) und es auch menschlich stimmt, fange ich dann meistens an, die Konditionen und die Möglichkeiten darzulegen. Das klingt an dieser Stelle vielleicht hochtrabend, ist aber gar nicht sooo kompliziert. ^_^

 

Vielen Dank, liebe Platti, für den spannenden Einblick in deine Arbeit. Wenn ihr Lust habt, den Verlag zu besuchen, oder vielleicht sogar selbst noch ein Manuskript auf dem Tisch liegen habt, dann zögert nicht und schreibt Platti gerne.

 

Bis morgen,

Sarah

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